Wie die HTW Berlin Ästhetik und Kreislaufdenken in der Ausbildung der nächsten Generation zusammenbringt.
Die Textil- und Modebranche ist an einem kritischen Punkt. Als global stark vernetztes System zeigt sie sich besonders anfällig für Themen wie den Klimawandel, geopolitische Konflikte und gesellschaftlichen Wandel. Zugleich steht sie unter zunehmender Kritik. Die konventionelle Produktion verschlingt massiv Ressourcen sowie Energie – und am Ende landen etwa 80 Prozent der Textilien als Abfall im Müll. Der „Erdüberlastungstag“ ist für die Branche deshalb längst kein abstraktes Datum mehr. Alte Gewissheiten und Geschäftsmodelle stehen mehr und mehr in Frage.
Erste Hochschulen reagieren: An der HTW Berlin lernen angehende Modedesigner beispielsweise nicht mehr nur Mode zu kreieren, sondern von innen ein System zu reparieren, das uns alle jeden Tag anzieht, zugleich aber an Überproduktion und Ressourcenverschwendung krankt. Der Fokus verschiebt sich dabei radikal: Weg vom Entwerfen eines rein ästhetischen Produkts zum Selbstzweck, hin zum Denken in Anwendungskontexten und Kreisläufen. Ein handwerklich perfekt gestalteter und umgesetzter Entwurf ist immer noch wichtig, reicht alleine aber nicht mehr aus. Es geht um einen Paradigmenwechsel, der Modedesign als echte Problemlösung und Designer als Systemgestalter begreift. Das bedeutet konkret: Unsere Studierenden lernen von Anfang an, über den Tellerrand zu blicken, sich interdisziplinär auszutauschen und den Lebenszyklus sowie die Kreislauffähigkeit eines Kleidungsstücks bereits im ersten Entwurfsschritt mitzudenken.
Wichtig ist uns dabei die Verbindung von Innovation und Tradition: Zum Curriculum an der HTW gehören etwa das Strickdesign, eine der nachhaltigsten Textiltechniken, ressourcenschonende Schnittkonstruktionen sowie Materialkunde zu biologisch abbaubaren Textilien. Zudem nutzen wir 3D-Simulationen, um physische Prototypen auf ein Minimum zu reduzieren.
Anwendung findet das Wissen in praxisbezogenen Projekten wie der Kooperation mit der E-Learning-Plattform Normina im Masterkurs „Kollektionsentwicklung Strickdesign“. Vor dem Hintergrund der strengen EU-Ökodesignverordnung (ESPR) entwickelten Studierende gemeinsam eine Strickkollektion, die kreatives Denken mit einem tiefen Verständnis für den Lebenszyklus der Produkte und die regulatorischen Anforderungen zusammenbringt.
Projekte wie dieses zeigen den Studierenden praktisch, dass zeitgemäßes Design nicht nur gut aussehen, sondern auch in Sachen Nachhaltigkeit gute Lösungen anbieten kann, statt Probleme zu erzeugen. Eine Überzeugung, die sie in ihrem weiteren Wirken auch nach außen tragen und so helfen, die Branche zu verändern.
Verfasst von Thu Thao Haussmann
>> Weitere Einblicke zu Design und kommenden Regulierungen finden Sie bei Normina