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EPR Einblicke 1

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Fazit nach 170 Jahren Schuhproduktion? Rezyklierbarkeit ist oft eine Utopie.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit nachhaltigem Schuhdesign, und ehrlich gesagt: Ein Großteil dessen, was unter „Recycling“ und „Retake“ läuft oder lief, funktioniert in der Praxis nicht so, wie wir es uns wünschen.

Beispiel: Ein klassischer Sneaker besteht oft aus über 20 Materialien – verklebt, vernäht, verschmolzen. Selbst wenn ich als Marke ein Rücknahmesystem anbiete, stehen wir am Ende vor einem Problem: Das Produkt ist kaum zerlegbar. Die Materialien lassen sich nicht sauber trennen. Das Ergebnis ist dann kein echtes Recycling, sondern Downcycling – oder im schlimmsten Fall einfach Müll mit gutem Gewissen.

Wir hatten selbst Versuche, Schuhe zurückzunehmen und wieder in den Kreislauf zu bringen. Die Realität: ein hoher logistischer Aufwand, geringe Rücklaufquoten und am Ende Materialien, mit denen sich kaum etwas Hochwertiges anfangen lässt. Das Fazit: Keinerlei Impact und daraufhin folgende Ernüchterung.

Das Problem beginnt nicht beim Recycling – sondern beim Design. Viele Produkte werden immer noch so entwickelt, als gäbe es kein „Danach“. Komplexe Materialmixes, starke Verklebungen, fehlende Transparenz. Recycling wird dann nachträglich „draufgesetzt“, anstatt von Anfang an mitgedacht zu werden.

Dazu kommt: Recycelte Materialien sind oft teurer und qualitativ nicht immer konstant. Gleichzeitig sind neue Rohstoffe verfügbar und günstiger. Ohne klare Regeln bleibt Nachhaltigkeit schnell eine freiwillige Entscheidung – und die funktioniert im Markt nur begrenzt.

Was müsste sich ändern?

Radikal einfache Produkte. Weniger Materialien, bessere Trennbarkeit, echte Monomaterial-Ansätze. Ein Schuh, der sich nicht zerlegen lässt, ist am Ende kein Kreislaufprodukt. Egal, wie nachhaltig die Geschichte davor erzählt wurde. Auch das Zerlegen muss für die Recycler wirtschaftlich sein.

Genauso wichtig ist eine ehrliche Kommunikation. Nicht jedes Produkt ist recycelbar – und das sollte man auch so sagen. Ist Langlebigkeit und Robustheit oft nachhaltiger als die Kreislauffähigkeit? Mit Sicherheit. Wird ein Endverbraucher zumindest das Rückporto tragen, damit das Produkt in die Wertschöpfungskette zurück gelangt? Mit Sicherheit leider nicht.

Daher gilt: Rücknahmesysteme müssen einfach sein und der naturgemäßen Faulheit des Menschen entgegenkommen, vielleicht sogar automatisch gedacht werden. Gleichzeitig braucht es politische Leitplanken, die zirkuläres Design belohnen und lineare Systeme unattraktiver machen.

Kreislaufwirtschaft ist möglich. Aber wir müssen aufhören, so zu tun, als wären wir schon dort. Weniger Marketing, mehr Realität, mehr machen zum Selbstzweck.

Verfasst von Sebastian Thies

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